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Antonio Ruz
© Ainara Nieves

Zu Chagalls Bildern muss man tanzen

Chagall: Humor, gepaart mit Illusion und Traum

Vera Urweider

Eine Choreografie zu Bildern von Marc Chagall. Dieser Aufgabe stellt sich der spanische Choreograf Antonio Ruz für die drei Chagall-Konzerte im Fraumünster. Zusammen mit ausgewählter Musik und mit Texten von Marc Chagall wird der Konzertbesucher in die Traumwelt des weltberühmten Malers entführt.

«Jedes Bild ist wie ein Fenster zu einer anderen Welt», sagt er, überlegt «und in diese Welten will ich eintauchen». Antonio Ruz sitzt am anderen Ende des Computers in Madrid, die Müdigkeit ist auch über die mässig gute Skype-Kamera zu erkennen. Es ist Anfang Januar. Während anderthalb Jahren war der international bekannte spanische Choreograf mit der Riesenproduktion Electra fürs Nationaltheater beschäftigt. Doch jetzt, jetzt wird er sich dann auf Chagall einlassen können. Auf Chagalls Bilder, Welten. Eintauchen.

Drei verschiedene Chagall-Konzerte mit international renommierten Musikern werden im Juni im Fraumünster aufgeführt, jene Kirche mit den berühmten Chagall-Fenstern. Dazu gibt es Texte und Bilder des französich-russich-jüdischen Malers, sorgfältig ausgesucht und vorgetragen von dessen Enkelin Meret Meyer. Die künstlerische Leitung der Konzertreihe hat Fraumünster-Kantor Jörg Ulrich Busch. Dazu Antonio Ruz’ Choreografien. «Zu Chagalls Bildern muss man quasi tanzen!», so der Spanier. Keine einzige Figur sei statisch in seinen Bildern. Sie schweben irgendwo zwischen Erde und Luft, stehen manchmal Kopf. Dieses Zusammenspiel von Schwerkraft und Schweben – von dem will sich Ruz inspirieren lassen.

Die Herausforderung

Seit einigen Jahren sucht Ruz die Verbindung verschiedener Künste für seine Arbeit, lässt oft Textpassagen in die Choreografien einfliessen, interessiert sich für den Dialog zwischen dem Tanz und anderen Kunstformen. Das Engagement, für die Chagall-Konzerte zu choreografieren, ist also wie auf ihn zugeschnitten. Er freut sich sehr auf diese Herausforderung. In diesem sakralen Raum, in dem Chagall so präsent ist, will der Spanier auch die Spiritualität thematisieren und die kirchliche Architektur in seine Choreografien einfliessen lassen.

«Celebración del arte», das sei das Ziel für seine Chagall-Choreografien. Die Kunst zelebrieren. Jedem Konzert einen anderen Farbton geben. Manchmal werde wohl auch nur zu Chagalls Texten getanzt. Oder zur Stille. Dann soll es auch rein musikalische Abschnitte geben. Am liebsten würde er auch die Musiker und die Lesende in seine Choreografien miteinbeziehen.

Der Humor

Nun sprudelt es nur so vor Ideen. Ein Gedanke folgt dem anderen, der Blick irgendwo in die Weite gerichtet. «Aber», unterbricht er seinen eigenen Redefluss, «erst wenn ich die Tänzer ausgesucht habe, weiss ich, was ich machen kann.» Denn die Körper der Tänzer werden seine Choreografie genauso beeinflussen wie die Körper der Figuren in Chagalls Bildern.

Ruz’ Choreografien sind oft irgendwo zwischen abstraktem Tanz und Theater angesiedelt und mit einer Prise Humor gespickt. Oft eben auch mit Worten. Über den Humor finde er auch zu Meret Meyer. Sie sehe viel Humor in Chagalls Werk. Natürlich wirke der Kontakt zu ihr, als direkter Draht zum weltberühmten Künstler, als zusätzliche Inspirationsquelle für seine Arbeit. Und für ihn mache ebendieser Humor Chagalls Werk aus. Ein Humor, gepaart mit Illusion und Traum, «esto, para mi, es la locura y la belleza de Chagall», für mich ist das die Schönheit und der Wahnsinn in Chagalls Welt.


Veranstaltungshinweis

Die Chagall-Konzerte
Mi 6. | Mi 13. | Do 14. | Mi 20. Juni
Fraumünster Zürich