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Igudesman und Joo

Wahnsinnig neue Töne

Lion Gallusser, Tonhalle-Gesellschaft Zürich

Das Duo Igudesman & Joo pflegt einen lockeren Umgang mit den Konventionen des klassischen Konzertbetriebs. Unerhört kreativ sind die Stücke der Uraufführung in Zürich, die klassische Musik auch einem jüngeren Publikum erschliessen.

Steckt nicht in jedem Künstler ein Quäntchen Wahnsinn? Und führt dieser Wahnsinn nicht zu jenen wunderschönen Werken der Kunst, die im Allgemeinwissen verankert sind? Zum Auftakt der Festspiele in der wahnsinnig schönen Tonhalle Maag spürt das Duo Igudesman & Joo diesem scheinbaren Gegensatz nach. Ihr gemeinsames künstlerisches Credo verrät schon viel über die Einstellung des russischen Geigers Aleksey Igudesman und des britisch-koreanischen Pianisten Hyung-ki Joo: Die klassische Konzertwelt mit einem frischen Ansatz revolutionieren. Die wahnsinnigen Klickzahlen ihrer YouTube-Videos (über 35 Millionen Aufrufe ihrer Clips) bestätigen, dass Igudesman und Joo mit ihren witzigen Konzert-Shows, in denen klassische Musik auf verbreitete Populärkultur stösst, mitten ins Schwarze getroffen haben. In die komödiantischen, aber stets seriösen und höchst intelligenten Auftritte der beiden klassischen Musiker strömt nicht nur das angestammte Konzertpublikum, das immer wieder Neues erfährt, sondern auch vermehrt jugendliches Publikum. Mit ihrem lockeren und teils wahnsinnigen Umgang mit den Konventionen des Konzertbetriebs schaffen es Igudesman & Joo, die Schönheiten der klassischen Musik einer breiteren und jüngeren Schicht zu erschliessen.

Spielerisch, humoristisch, seriös

Mit zwei eigens für die Tonhalle-Gesellschaft Zürich komponierten Stücken, die zu Beginn der Festspiele zur Uraufführung kommen, loten Igudesman & Joo nun die Grenzen von Schönheit und Wahnsinn auch in der Schweiz auf spielerische, humoristische und unerhörte Weise aus. In «Clash of the Soloists» liefern sich die beiden ein irrwitziges Duell. Als hervorragende Solisten bestens vertraut mit den Erwartungen und Herausforderungen des Konzertpublikums, schaukeln sich Aleksey Igudesman an der Violine und Hyung-ki Joo am Klavier gegenseitig hoch – und treten wahrlich in einem «Clash» gegeneinander an. Die Musik-Partner brechen damit auf süffisante Art mit den starren Konzertgepflogenheiten des 21. Jahrhunderts, die sie mit einer komischen, doch stets qualitativ hochwertigen Alternative relativieren. Die Lust zur Überspitzung führt auch im zweiten Auftragswerk zu irritierenden und witzigen Kontrasten zum Gewohnten: In «Back to the Orchestra» unternehmen die beiden Ausnahmekönner eine Reise durch die Musikgeschichte. Dank des kreativen Wahnsinns von Igudesman & Joo kann das Publikum entspannt und bestens unterhalten verschiedene Epochen der Musik Revue passieren lassen. Natürlich fehlt bei dieser musikalischen Zeitreise auch das 150-Jahre-Jubiläum der Tonhalle-Gesellschaft Zürich nicht, das durch die Musik – auch dies wahnsinnig – klingend erfahrbar in die Gegenwart geholt wird. Die Tonhalle-Gesellschaft Zürich macht ihrem Publikum mit Igudesman & Joo ein gebührendes Geschenk, mit dem sie sich für die über 150 Jahre anhaltende Treue bedankt.


Veranstaltungshinweis

Schönheit/Wahnsinn
Fr 1. Eröffnungskonzert | Sa 2. | So 3. Juni
Tonhalle Maag