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Isabelle Fisher und Katja Pilisi © Josef Brunner Fotografie
Isabelle Fisher und Katja Pilisi

Im Hier und Jetzt

Isabelle Fisher

Schon beim Eintreten in die Räumlichkeiten der Festspiele Zürich, die zur «Vernissage des Jetzt» einladen, tauche ich in die Ära der 20er Jahre ein. Thema dieser Vernissage ist das neue und gelungene Programmmagazin, das turmhoch aufgestapelt den geladenen Gästen zur Verfügung steht. Nach einem ersten Drink die Ansprache von Alexander Keil und Karolin Trachte über die vier Thesen zur Beschleunigung, Globalisierung, Mobilität und zu den Demokratien von Philosoph Wolfram Eilenberger, die im Festspielprogramm wiederzufinden sind. Ein Kurzfilm verbildlicht die Parallelen der Zeitgeistphänomene der 1920er und 2020er Jahre und schlägt damit Brücken. Der Aufbruch, der Rechtsrutsch, die Krise und der Rausch, in den man sich flüchtet. Erschreckend, wie nah sich diese Zeiten sind, obwohl ein Jahrhundert dazwischenliegt.

Das Symposium des Sanatoriums Kilchberg «Der Tanz ums goldene Kalb» wird dies am Beispiel unserer beschleunigten Welt noch verdeutlichen. Die Sehnsucht nach Neuerungen thematisiert das Kunsthaus Zürich in seiner Ausstellung «Schall und Rauch». Besinnlich wird die Stimmung sodann an der langen Nacht der Chöre, die im Fraumünster vor dem Fensterzyklus Marc Chagalls noch nachhallen wird, nachdem der letzte Ton gesungen wurde. Und sollte uns danach sein, uns die Sorgen um die weiteren Jahre abzustreifen, so werden wir sie am 24h Pop-up Ball aus- und abschütteln. Und zum Schluss der Festspiele Zürich 2020 gibt es eine Tasche, genäht aus der Spiegelfolie des Zeppelins, damit wir alle einen Teil des erlebten Rauschs mit nach Hause nehmen können.

Diese Veranstaltungen sind mir beim ersten Durchblättern des Programmmagazins bereits besonders aufgefallen, aber noch an anderer Stelle bin ich hängen geblieben: «Es gibt diese Menschen, die sich gerne beteiligen wollen, freiwillig, leidenschaftlich, ehrenamtlich – auch das ist die Welt, in der wir leben! Aber tatsächlich bedeutet es doch auch, dass euch schlicht Mitarbeitende im Stab fehlen! Unser aller Arbeit hat mit grosser Sorgfalt zu tun und mit Menschen, die sich der Arbeit widmen können. Und dazu braucht es zwei Dinge: Geld und Zeit.» So äussert sich Benjamin von Blomberg, Co-Intendant am Schauspielhaus Zürich, in einem Gespräch mit der Festspiel-Leitung, das im Programmmagazin abgedruckt wurde.

Gewiss werde ich bis zur Kreation meiner Tasche aus Zeppelinhülle noch bei einigen weiteren Festspiel-Events anzutreffen sein – sei es als Zuschauerin oder als leidenschaftliche Ehrenamtliche, sogenannte «Heldin». Dies, weil es toll ist, sich bei einem Festival engagieren zu können, das nicht nur helfende Hände sucht, sondern zur aktiven Mitgestaltung einlädt – zum Beispiel als Autorin eines Gastblog-Beitrags für die Webseite der Festspiele Zürich.

Isabelle Fisher ist Juristin, liebt Tanz und Theater und engagiert sich freiwillig im Heldenprogramm der Festspiele.

Foto © Josef Brunner Fotografie

Gäste bei der Präsentation des Programms
Gäste bei der Präsentation des Programms
Karolin Trachte und Alexander Keil zeigen das Heutige im Programm auf.
Karolin Trachte und Alexander Keil zeigen das Heutige im Programm auf.