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Tonhalle-Orchester

Ton Hallt in der Luft

Openair-Konzert auf dem Münsterhof

Lion Gallusser, Tonhalle-Gesellschaft

Die Tonhalle-Gesellschaft Zürich bedankt sich mit einem Konzert beim Publikum – mit Prokofjew, Grieg, Ravel und Yuja Wang als Solo-Pianistin.

Die Tonhalle-Gesellschaft Zürich feiert 2018 ihren 150. Geburtstag. Anlässlich dieses grossen Jubiläums schenken wir Ihnen, verehrtes Publikum, ein Openair-Konzert auf dem Münsterhof. Mit dem Konzert sagen wir «danke» für Ihr fortwährendes Interesse und die unermüdliche Unterstützung, die die Tonhalle-Gesellschaft seit ihrer Gründung 1868 erfährt. Ein «wahnsinnig schönes» Jubiläum ist dies aber nicht nur wegen der stolzen 150 Jahre, in denen ununterbrochen Konzerte von der Tonhalle-Gesellschaft organisiert wurden. Nein, als eine der grössten Veranstaltungen der Festspiele Zürich 2018 trägt das Openair-Konzert stolz dem Festspiel-Motto «Schönheit/Wahnsinn» Rechnung.

Als Solistin tritt die Pianistin Yuja Wang auf. Sie verkörpert eine ungezwungene Frische und zog bereits in jungem Alter durch ihr schönes, bewundernswert präzises und kontrolliertes Klavierspiel grosse Aufmerksamkeit auf sich. Für das Openair-Konzert spielt sie das beliebte dritte Klavierkonzert von Sergej Prokofjew, in dem der russische Komponist dem strahlend schönen C-Dur und den weissen Tasten nach den wahnsinnigen Zeiten des Ersten Weltkriegs neues Gewicht verlieh. Auch für Yuja Wang ist das Jubiläums-Konzert etwas ganz Besonderes, war sie doch Artist in Residence der Saison 2014/15 und kennt das Tonhalle-Orchester bereits seit ihrem Europa-Debüt 2003 bestens – so auch seinen Chefdirigenten Lionel Bringuier, der das Openair-Konzert auf dem Münsterhof musikalisch leitet.

Abschiedskonzert von Lionel Bringuier

Es ist dies das letzte Mal, dass der Franzose «seinen» Klangkörper, das Tonhalle-Orchester Zürich, als musikalischer Leiter dirigiert. Damit wird das Jubliäums-Openair auch zum krönenden Abschluss seiner Zürcher Zeit. Neben Edvard Griegs berühmter erster «Peer-Gynt-Suite», in dem der gleichnamige Titelheld aus Henrik Ibsens Drama unter anderem in der unheimlichen Halle des Bergkönigs landet, dirigiert Bringuier auch «La valse» von seinem Landsmann Maurice Ravel, was eine äusserst intime Entscheidung ist. Denn kaum ein zweiter Komponist liegt Bringuier dermassen am Herzen wie Ravel. Es kommt deshalb nicht von ungefähr, dass Bringuier sämtliche Orchesterwerke des französischen Komponisten mit dem Tonhalle-Orchester Zürich in einer mustergültigen Aufnahme eingespielt hat. «Ich bin mit Ravel aufgewachsen, und er ist dadurch Teil meines Lebens», bezeugt Bringuier. Und tatsächlich dirigierte Bringuier an entscheidenden Stationen häufig Ravel-Werke – so zuletzt «Daphnis et Chloé» zum Abschluss seiner sechs Jahre als Dirigent beim Los Angeles Philharmonic. Mit «La valse» setzt er dies fort und verabschiedet sich gebührend von Zürich. Doch mehr noch: «La valse» (von 1920) thematisiert an sich bereits den Abschied, indem Ravel den imaginierten Wiener Walzer von anno 1855 zusehends auflöst, bis er völlig unkenntlich ist. Doch während in «La valse» am Schluss alle Zeichen auf Rot stehen und das Orchester auf eine Sackgasse zusteuert (so wie es 1914 Europa passierte), so bleibt dem Zürcher Publikum die Erinnerung an die schöne Zeit unter Bringuier.