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Suzuanne Zahnd und Martin Engler stellen gemeinsam mit dem Cellisten die Funkoper vor

Stopover J53

Zwischenhalt auf dem Weg in die Zukunft

Nora Zukker

Die Festspiele haben Fahrt aufgenommen. In einem Showcase in der Plattform in der Josefstrasse, wo das Team das Festival auch entwickelt, umsetzt und kommuniziert, war am gestrigen Abend ein Vorgeschmack auf Juni 2020 zu erleben. Nora Zukker war unter den Gästen.

«Es sind alle besser angezogen als ich!», lacht Alexander Keil, Geschäftsführer der Zürcher Festspiele, und begrüsst mit Kuratorin Karolin Trachte die geladenen Gäste im Festspielbüro an der Josefstrasse 53. Ich bin beeindruckt, wer offenbar alles eine 20er Jahre Garderobe zu Hause im Schrank hat. In den Händen die Kristallgläser mit Champagner. Heute esse ich mein allererstes veganes Schinkengipfeli. Alles auf dem Buffet ist vegan, oder nicht vegan, aber dafür glutenfrei. Das Festspielbier wird degustiert und von den Gästen für gut befunden. Die kommende Ausgabe trägt den Titel: «Die 20er Jahre – Rausch des Jetzt». Da denkt man direkt an Exzesse in allen Formen und Farben, an Befreiung, an kurze Röcke, ans Radio und an den Zeppelin. Das wären aber nicht die Festspiele Zürich, wenn man vom 5. - 28. Juni 2020 nur nostalgisch einem früheren Gefühl nachhängen würde. Nein, wir stehen auf der Schwelle zu den 2020 Jahren, das ist «Jetzt» und wird uns unmittelbar betreffen. Schon steht der Jodlerklub «Bergbrünneli» aus Küsnacht im Kreis und ich bin beeindruckt, was Stimme alles kann. Hier zeigt sich schon, was die Festspiele sind: kooperativ, kollaborativ, inklusiv – das Konzept des Community Engagements ist die Handschrift des Festivals. Zürich sind nicht nur die grossen Häuser, wie die Oper oder das Schauspielhaus, die an diesem Abend auch vertreten sind; Zürich ist das Zusammenspiel kleinster Chöre oder Tanzgruppen mit den grösseren Playern. Das Herz wird der Zürcher Münsterhof sein. Was dort stattfindet ist für alle und kostenlos. Im Verlauf des Abends ziehen die Gäste eine VR-Brille an und laufen schon mal unter dem Zeppelin, der über dem Epizentrum der Festspiele schweben wird, über den Platz.

Eine Schlangenfrau balanciert einen roten Ball über ihren Körper und der Frau neben mir kippt beim Klatschen für die Artistin der Champagner auf die Bluse einer anderen Frau. Suzanne Zahnd und Martin Engler musizieren sich fast um Kopf und Kragen mit Auszügen aus der Funkoper, ein Live-Hörspiel, das mit Zürcher Jugendlichen entwickelt und aufgeführt wird. Der Mann im Anzug singt aus «Don Giovanni», viel zu kurz, aber lange genug, dass man dann zur «oper für alle» gehen wird. Antje Schupp erhält den Festspielpreis und ihre «Revue 2020 – Zurück ist die Zukunft» kommt zur Uraufführung Ende Juni. Zwei Musiker des Tonhalle-Orchester schicken eine Videogrussbotschaft. Sie werden die Festspiele mit Maurice Ravels «Boléro» eröffnen. «Jeder Schlagzeuger stirbt dabei», lacht er, der die 17 ersten Minuten alleine bestreiten muss mit einem schön sukzessiven Crescendo. Und dann wird getanzt. Swing, Charleston – der Tanz der emanzipierten Frau in den 1920ern. Wenn der Intendant des Schauspielhaus Zürich mit dem Geschäftsführer der Festspiele tanzt, habe ich ein sehr gutes Gefühl. Der Rausch kann kommen. Jetzt.

Nora Zukker ist Autorin und Festivistin aus Zürich

Fotos © Josef Brunner Fotografie, Fotograf und Festivist aus Wädenswil

Gäste stehen Schlange vor der Plattform
Gäste stehen Schlange vor der Plattform
Ursula Gut-Winterberger, Präsidentin der Zürcher Festspielstiftung
Ursula Gut-Winterberger, Präsidentin der Zürcher Festspielstiftung
Jodlerklub «Bergbrünneli»
Jodlerklub «Bergbrünneli»
Artistin Jeanine Ebnöther Trott
Artistin Jeanine Ebnöther Trott
Festspielpreisträgerin Antje Schupp
Festspielpreisträgerin Antje Schupp
Tenor Yuriy Hadzetskyy vom Opernhaus
Tenor Yuriy Hadzetskyy vom Opernhaus
Swing-Crashkurs für alle
Swing-Crashkurs für alle
Alexander Keil und Karolin Trachte
Alexander Keil und Karolin Trachte
Stilecht gekleidetes Gästepaar
Stilecht gekleidetes Gästepaar