zurück
Lisa Christ
© Claude Hurni

Selbst(?)optimierung

Lisa Christ, Slam Poetin

Alle rennen immer irgendwelchen Idealen hinterher. Dabei ist Rennen ziemlich anstrengend. Vor allem Ideen hinterher, die nicht die eigenen sind, sondern nur durch ewige Wiederholung eingebrannt wurden. Der Kapitalismus und die Kosmetikindustrie haben ein gewisses Interesse daran, dass wir mit unseren Körpern und Gesichtern nicht zufrieden sind. Deswegen hab ich jetzt ein Fitness-Abo und eine Contouring-Palette. Dabei wäre ich wohl auch ganz von alleine unzufrieden geworden. Wenn nicht – wie von aussen geheissen – mit meinem Körper, meinem Gesicht oder meinem Gewicht, dann vielleicht mit meiner Faulheit, meiner Inkonsequenz oder meinem fehlenden Mut, was Mode angeht. Dann würde ich jetzt endlich die roten Stiefeletten mit dem Leo-Mini tragen und kein Candy-Crush mehr spielen, sondern fabulös mein Haar zurückschwingen, laut lachen und mich weniger darum kümmern, was andere meinen, das ich tun muss. Wenn ich sowieso unzufrieden bin, dann will ich doch bitte selber wählen, womit. Dann kann ich nämlich auch selbst entscheiden, wie ich’s ändern will.


Veranstaltungshinweis

Wahnsinn! Poetry Slam
Di 5. Juni, 20.30
Schauspielhaus Zürich, Pfauen