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Dr. med. Bernadette Ruhwinkel (Leitende Ärztin / Leiterin Schwerpunkt Alterspsychotherapie Privatklinik Hohenegg AG)
Dr. med. Bernadette Ruhwinkel (Leitende Ärztin / Leiterin Schwerpunkt Alterspsychotherapie Privatklinik Hohenegg AG)

Schönheit und Alter

möglich, oder unvereinbar?

Dr. med. Bernadette Ruhwinkel (Leitende Ärztin / Leiterin Schwerpunkt Alterspsychotherapie Privatklinik Hohenegg AG)

Das Älterwerden ist ein lebenslanger Prozess. Unser Körper ist diesem Prozess ausgesetzt, ob wir wollen oder nicht. Die Veränderungen die damit einhergehen, die schlaffere Haut, die Falten, die reduzierte Leistungsfähigkeit führen uns vor Augen, was unser Psyche nicht gerne zur Kenntnis nimmt. Uns fällt es schwer dabei das Attribut „schön“ zu verwenden. Bestenfalls ist Altern eine unabänderliche Tatsache, aus der wir das Beste zu machen versuchen.

Der Aufwand für die jugendliche Schönheit steigt

Als Schwerpunktleiterin Alterspsychotherapie der Klinik Hohenegg begegne ich Menschen, die noch bis weit über das 70. Lebensjahr hinaus dem jugendlichen Schönheitsideal nacheifern. Sie treiben exzessiv Sport und nutzen viele auf dem Markt erhältliche angebliche Verjüngungsmittel um ihr wahres Alter zu kaschieren. Je älter man wird, umso mehr Arbeit bedeutet das. Der Einsatz zum Erhalt des schönen Aussehens wird enorm, bis die Menschen ganz erschöpft und resigniert sind.

Andere sind traurig und verzweifelt, dass ihnen der Körper in ihrem Alter nicht mehr so zuverlässig zur Seite steht, wie sie es aus jüngeren Jahren gewohnt sind. Sie fragen sich: „Warum muss ich jetzt diesen hohen Blutdruck haben, wo ich mich doch immer so gesund ernährt habe?“ Eine tiefe Angst und Unsicherheit ist die Folge.

Unser Körper ein zuverlässiger Partner im Leben

Wenn wir bedenken, dass der Körper seit Jahrzehnten der treuste Begleiter in unserem Leben ist, dass wir uns ganz selbstverständlich über viele Jahre mit allem was wir machen wollten fest auf ihn verlassen konnten und er unser überhöhten Anforderungen bei der Arbeit und in der Freizeit klaglos mitgemacht hat, dann kann sich ein Gefühl der Dankbarkeit diesem Körper gegenüber einstellen. Wir schauen auf die Hände und die Füsse und spüren, was diese in unserem Leben alles geleistet haben und wie rücksichtslos und selbstverständlich wir diesem Partner alles abgefordert haben. Wird es dann nicht verständlicher, dass er nach all den Jahren meldet, was er nun von uns braucht? Dieses Gefühl der Dankbarkeit unserem Körper gegenüber, der uns als treuer Partner das Schöne ermöglicht hat in unserem Leben, wie Reisen, Wanderungen, Sexualität, die Geburt unserer Kinder, die beruflichen Erfolge kann nicht nur im Alter helfen, einen neuen Bezug zu sich zu finden.

Ein wertschätzender Umgang mit dem Körper

Wenn es uns gelingt diesem Partner Körper sorgfältiger und rücksichtsvoller zu begegnen und ihn in seinen Leistungen für uns zu wertschätzen, dann gehen wir liebevoller mit ihm um. Wir können ihn weiterhin fordern und fördern, werden ihm aber, wie einem lieben Partner, auch das geben was er wirklich braucht und verständnisvoll und offen auf seine Bedürfnisse und Grenzen reagieren. Dieser partnerschaftliche Umgang mit dem Körper führt uns zu einer Verbundenheit mit ihm, lässt uns Eins werden zwischen Körper und Psyche.

Von innen strahlen

Daraus kann sich eine innere Ruhe und Bezogenheit entwickeln, die nach aussen strahlt. Menschen die so im Einklang mit sich leben und Alt werden, haben eine Schönheit, die altersunabhängig in uns allen schlummert.