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Schönheit rettet

Alice Bota, die Zeit

Schönheit muss sein. Gerade, wenn es vermeintlich Wichtigeres gibt – wie im Krieg.

Alice Bota und Andrea Böhm berichten für die ZEIT aus Krisen- und Kriegsgebieten. Sie haben beobachtet, dass es manchmal die Schönheit braucht, um den ringsum tobenden Wahnsinn zu überleben. Warum hatten die Frauen, die im Sommer 2015 nach wochenlanger Flucht in Deutschland gestrandet sind, lackierte Nägel? Warum sind die Haare jener, die dem IS entkommen sind und nun in einem Lager ausharren, kunstvoll geflochten und aufgesteckt? Braucht es das wirklich? Als die Journalistin Andrea Böhm die Besitzerin eines Schönheitssalons in einem irakischen Flüchtlingslager genau fragte, ob die Menschen nach ihrer Flucht vor Assad oder dem IS nicht Wichtigeres bräuchten als Lippenstift und Wimperntusche, schaute sie diese verständnislos an. «Gibt es etwas Wichtigeres als Schönheit?»

Echte Schönheit ist unverzichtbar

Andrea Böhm und Alice Bota sind Korrespondentinnen der ZEIT. Andrea Böhm berichtet aus dem Nahen Osten, Alice Bota aus Osteuropa. Ihre Recherchen umfassen auch Kriegs- und Krisengebiete, sie führen sie durch zerstörte Dörfer zu zerstörten Leben. Auf ihren Reisen haben sie die gleiche Beobachtung gemacht: Selbst in grösster Not können Menschen nicht auf echte, unverstellte Schönheit verzichten. Wie liesse sich sonst der Alltag aus Krisen und Kriegen, aus Angst und Trauer aushalten? Erst kommt das Überleben, dann die Schönheit; aber manchmal braucht es auch die Schönheit, um zu überleben. Die Zuwendung zum Schönen gibt Halt – das kann ein Kleid sein. Oder die manikürten Hände. Oder das duftende Haar, das in einem Bunker unter eiskaltem Wasser gewaschen wurde. Oder die Konzerte an Orten, an denen man eher Cholera und Ratten vermutet als eine Beethoven-Sinfonie. Oder die Modeschau in einer kriegsbelagerten Stadt. Was die beiden Korrespondentinnen beobachtet haben: Erst unser Blick, unsere Hingabe macht die Dinge schön. Schönheit ist etwas zutiefst Persönliches und Intimes. Sie ist kein Zustand, sie ist Handlung, und manchmal gar ein politischer Akt. Schönheit ist nicht das, worauf sich alle einigen können. Sondern der Moment, in dem jemand nicht anders kann, als innezuhalten.


Veranstaltungshinweis

Schönheit rettet
Do 7. Juni, 20.00
Kaufleuten Zürich