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Artemisia Gentileschi: Judith mit ihrer Magd, um 1618, Palazzo Pitti Florenz
Artemisia Gentileschi: Judith mit ihrer Magd, um 1618, Palazzo Pitti Florenz

Krieg und Barock, Schönheit und Wahnsinn

Die Geburt des Schönen aus dem Geist der Grausamkeit

Elisabeth Hefti, Hans Ramseier
Artemisia Gentileschi: Judith mit ihrer Magd, um 1618, Palazzo Pitti Florenz
Artemisia Gentileschi: Judith mit ihrer Magd, um 1618, Palazzo Pitti Florenz

Auf den Prager Fenstersturz von 1618, der Aufstand der protestantischen Städte gegen die Rekatholisierung, folgte eine Kette von Kriegen aller Mächte gegen alle: drei Jahrzehnte der Gesetzlosigkeit, des Mordens, Brandschatzens, Zerstörens in ganz Europa. Im Blutmeer wuchs ein Sinn für Schönheit, der in die Kunst des Barocks mündete: in eine Feier des ästhetischen Empfindens, das selbst Grausamkeit ertrug.

Welche Schönheit von Malerei – welcher Wahnsinn von Thema! Der Kopf des Holofernes liegt in einem Korb, die schöne Judith mit dem Schwert ihres Opfers und ihre Magd Abra haben es soeben vollbracht. Eine Darstellung weiblicher Macht in einer kriegerischen Situation und die Folge des Freiheits-Anspruchs ihres Volkes. Die gottesfürchtige Witwe Judith ging ins Lager des assyrischen Generals, der für seinen König all jene Völker bestrafen musste, die ihm die Unterstützung versagt hatten. Sie berückte ihn, nahm an seinen Gelagen teil, und im richtigen Moment hieb sie dem betrunkenen Holofernes den Kopf ab. Die Barock-Künstler machten sich die Psychologie des weiblichen Tyrannenmords zunutze. Soviel zur vorchristlichen Geschichte. In der Biografie der Malerin liest man vom Versuch eines sexuellen Übergriffs durch ihren Maler-Lehrer – ein Racheakt? Die sinnliche Malerei springt im schmalen Format in die Augen, Judiths Blick aber ist der einer Wahnsinnigen.

Fakten und Legenden

Das Buch Judith ist unter den Geschichtsbüchern des Alten Testamentes zu finden. Vielleicht ist diese Erzählung lediglich die Legende über eine tapfere Frau. Die Erzählungen aus dem 30-jährigen Krieg hingegen sind wahre Geschichten. Man würde wünschen, dass sie nur Legenden sind. Aber die schrecklichen Erzählungen über die Zerstörung von Magdeburg sind traurige Wahrheit. Tausende wurden verbrannt, die Vergewaltigungen sind ohne Zahl und die Kindermorde waren bethlehemitisch. Der grausige „Schwedentrunk“ wurde den Opfern im Sinne des Wortes eingetrichtert. Es gehört zur Doppelnatur der Menschen, dass die Grausamkeiten einem religiösen Empfinden entsprungen sind. Auch die Bibel ist nicht gewaltfrei.

Dieselbe Zeit aber legte der Boden für den Barock, einer Epoche des jubelnden Glaubens, die wunderbare Kunstwerke hervorgebracht hat. Sie begeistern uns noch heute. Diesem Verhältnis von Politik und Ästhetik, von Zerstörung und Enthebung, von Brutalität und Schönheit geht der vierteilige Kurs „Die Kunst des Frühbarock und der 30-jährige Krieg“ nach. Beide Seiten haben ihren Experten: Elisabeth Hefti ist Kunsthistorikerin, Hans Ramseier Historiker.

Volkshochschule Zürich
Elisabeth Hefti, Prof. Hans Ramseier
« Die Kunst des Frühbarock und der 30-jährige Krieg »
Montag, 28. Mai bis 18. Juni 2018, 4x, 19.30 bis 21.00 Uhr, Universität Zürich-Zentrum.

Nur mit Voranmeldung über https://www.vhszh.ch/kursangebot?course=18S-0360-55, info@vhszh.ch oder 044 205 84 84.