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Alexander Jones
© Carlos Quezada

Haltung!

Ein Tag im Leben eines Balletttänzers

Elisabeth Feller

Alexander Jones ist Erster Solist des Balletts Zürich. Dass sein Tanz so leicht daherkommt, ist das Ergebnis einer harten Schule. Doch auch sein Alltag ist alles andere als leicht. Und wenn sich mal eine Grippe ankündigt, wird sie einfach weggetanzt.

Tanzt Alexander Jones den Prinzen Siegfried in Peter Tschaikowskis «Schwanensee» auf der Bühne des Opernhauses Zürich, bewundert man die makellosen, fliessenden Bewegungen und die Noblesse der durchgestalteten Linien: Jones’ Prinz scheint nicht von dieser Welt. Bloss: Was bar jeder Erdenschwere so hinreissend leicht aussieht, ist mit Blick auf Alexei Ratmanskys Rekonstruktion des Ballettklassikers in monatelangen Vorbereitungen hart erarbeitet worden. Der 32-jährige Alexander Jones, seit 2015/16 Erster Solist des Balletts Zürich, lächelt auf eine diesbezügliche Frage – und kommt sogleich auf seine klassische Ballettausbildung an der Royal Ballet School in London zu sprechen. «Sie ist die unverzichtbare Basis, die einen immerzu trägt. Wenn man die härteste Ausbildung, die es überhaupt gibt, gemacht hat, fällt einem alles andere leichter. An der Körperhaltung lässt sich übrigens sogleich ablesen, ob ein Tänzer diese, bereits in ganz jungen Jahren begonnene, klassische Ballettausbildung hinter sich hat.» Stichwort Haltung: Alexander Jones hat sie, «aber», betont er, «vor allem auch unser Ballettmeister Jean-François Boisnon. Er ist einfach super und hat uns für ‹Schwanensee› wunderbar gecoacht.»

Brennen für den Beruf

Vom Choreografen gefördert und gefordert und vom Ballettmeister ebenso sorgsam wie kritisch geleitet muss sich ein Tänzer täglich im Ballettsaal bewähren. Die Arbeit dort ist kraftraubend und dauert lange. Sie beginnt mit den sogenannten Classes ab 10 Uhr und setzt sich fort mit Proben, die – unterbrochen von einer kurzen Lunchpause – von 11.30 bis 18 Uhr dauern. Hinzu kommen die Vorstellungen des von Alexander Jones gerühmten «schönen Repertoires in Zürich». Ein Extra- Fitnesstraining brauche er wirklich nicht, winkt der Engländer ab. «Doch ich gehe gerne schwimmen, um auch einmal abzuschalten.» Was macht ein Tänzer, wenn ihn eine Unpässlichkeit plagt oder eine Grippe heimsucht? «Tanzen», lautet die lapidare Antwort. Alexander Jones weiss aus eigener Erfahrung, wie sich das anfühlt, wenn der Körper nicht in Hochform ist. «Bereits während den Proben gibt es Tage, an denen man sich nicht fit genug fühlt, aber man überwindet sich trotzdem dazu und ist dann an den Vorstellungen schon auf alle möglichen Situationen vorbereitet. Wir haben die Choreografie mit ihren vielen Abläufen so sehr in Kopf und Körper, dass alles auf Abruf kommt, sobald wir Musik hören. Der Adrenalin-Schub hilft dann natürlich auch.» Wer Alexander Jones zuhört, merkt, wie sehr er für seinen Beruf «brennt». Und brennen, vielmehr tanzen, will er in Zürich noch möglichst lange: «Ich bin ja erst 32 Jahre alt.»


Veranstaltungshinweis

Schwanensee
So 3. | Fr 8. | Sa 9. | Di 12. | Fr 15. | So 17. | Sa 23. Juni
Opernhaus Zürich