zurück
Das aussergewöhnliche Künstlerduo Igudesman & Joo.
Das aussergewöhnliche Künstlerduo Igudesman & Joo.

Eröffnungskonzert Festspiele Zürich

Kreativer Wahnsinn zum Festspielauftakt mit dem Tonhalle-Orchester und Igudesman & Joo

Kreativer Wahnsinn

35 Millionen Klicks auf Youtube verzeichnet das aussergewöhnliche Künstlerduo Igudesman & Joo. Mit seinen überraschenden Konzertabenden beweist das weltbekannte Duo, dass Klassik und Comedy kein Widerspruch sind, und revolutioniert so die klassische Konzertwelt. Zum Auftakt der Festspiele Zürich geht das Duo mit dem Tonhalle-Orchester Zürich an die Grenzen des Festspiel-Themas «Schönheit/Wahnsinn»: Auf «Back to the Orchestra», eine Reise durch die Musikgeschichte, folgt das irrwitzige Spektakel «Clash of the Soloists».

Wenn sie sich in ihren Programmen über sich selbst und den klassischen Musikbetrieb lustig machen, aber niemals über klassische Musik, dann geht es ihnen immer nur um eines: Musik allen und jedem zugänglich zu machen. Denn das ist ihr wichtigstes Anliegen, wie sich im Interview mit den zwei Künstlern deutlich zeigt.

Igudesman und Joo, fehlt es Ihrer Meinung nach den Klassikhäusern an Humor?

Während unseres Studiums an der Yehudi-Menuhin-Schule in England hatten wir beide das Gefühl, dass sich die Welt der klassischen Musik viel zu ernst nimmt. Ein Konzertbesuch ähnelt oftmals viel mehr einer Beerdigung, statt einer Feier des Lebens. Zwar ist ein grosser Teil der Musik tatsächlich sehr ernst und tragisch, aber die ganzen Formalitäten, die die klassische Musik umgeben, müssen deswegen nicht so seriös und elitär sein. Das ist einer der Hauptgründe, weshalb so viele Leute, und besonders junge Leute, keine klassischen Konzerte besuchen. Unser Traum war es, dies zu ändern.

Die Konzertabende des Duos Igudesman&Joo sind geprägt von komödiantischem Witz, aber stets von höchster Qualität. Wie kamen Sie darauf, klassische Musik mit Comedy zu mischen?

Für uns macht es keinen Unterschied, ob wir unsere Show spielen oder eine Sonate von Beethoven. Die Vorbereitung und das Engagement sind bei beidem gleich und für uns steht immer die Musik an erster Stelle. Wir sind beide professionelle Musiker und wir lieben Musik bedingungslos. Wir machen uns niemals über klassische Musik lustig, wir haben Spass mit klassischer Musik. Worüber wir uns aber lustig machen ist das ganze Business und die Formalitäten, welche klassische Musik umgeben und darüber, wie wir Musiker uns selbst so ernst nehmen. Und ein weiterer, wichtiger Grundsatz für uns ist, dass klassische Musik immer an erster Stelle kommt. Und Humor an zweiter.

Diese Art von Bühnenshow vermag besonders auch neues und junges Publikum in die Klassiksäle zu locken. Wie ist es mit dem angestammten Klassikpublikum? Hatten Sie Startschwierigkeiten, dieses von der Qualität Ihrer Programme zu überzeugen?

Sie brauchen kein Wissen über klassische Musik, um klassische Musik zu geniessen. Unser typisches Publikum und unsere Fans reichen von Kindern bis zu deren Grosseltern und schliessen sowohl angestammtes Konzertpublikum als auch Leute, die zuvor noch nie in ein Konzerthaus waren, ein. Unsere Shows spielen immer auf mindestens zwei Ebenen: Wenn wir einen Witz für Musikkenner bringen, passiert zur gleichen Zeit etwas für die Personen, die noch nie von Mozart gehört haben. Denn für uns gilt: Musik ist für alle!

Aleksey Igudesman, Hyung-ki Joo, in Ihrem neuen «Werk» «Clash of Soloists» liefern Sie sich untereinander ein wahres Battle. Gibt es am Ende einen Sieger?

Nun, am Ende gibt es tatsächlich einen sehr unerwarteten Sieger Aber Sie müssen schon die Show sehen, um zu verstehen, wer das ist...

In «Back to the Orchestra» unternehmen Sie eine Reise durch die Musikgeschichte. Welche Epoche oder welcher Komponist darf auf keinen Fall fehlen?

Interessanterweise zitieren wir in dem Stück keinen Komponisten. Das Werk ist überhaupt nicht abgeleitet, sondern alles originale Musik, die manchmal von einer Epoche oder Periode inspiriert ist, aber nie wirklich bewusst ein Stück zitiert oder versucht, ein Stil zu sein. Das Stück funktioniert mehr auf einer emotionalen Ebene. Wir beide lieben den Anfang, sozusagen den "Big Bang", bei dem der Basstrommler den "Big Bang" nicht richtig trifft oder zumindest nicht an der richtigen Stelle. Aber auch wenn sich die Reise gegen Ende beschleunigt und wir alle Instrumente zum ersten Mal im Orchester erscheinen lassen, macht uns das grossen Spass. Das, und natürlich die Erfindung der Toilette und des Sandwiches, die mit der ersten Verwendung der Tuba und des Horns einhergehen. Ein Zufall? Unserer Meinung nach nicht!