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Festspiele Zürich 2020 oder die letzte Edition.
Festspiele Zürich 2020 oder die letzte Edition.

Festspiele Zürich finden 2020 zum letzten Mal statt

Alexander Keil

Die Vorbereitungen für die Festspiele Zürich vom 5. bis 28. Juni 2020 laufen nach Plan. Die Zürcherinnen und Zürcher dürfen sich auf ein grosses und vielfältiges Kunstfest für alle unter dem Titel «Die 20er Jahre. Rausch des Jetzt» freuen. Diese nächste Festspiel-Ausgabe wird gleichzeitig die letzte sein: Nach einer Standortbestimmung hat der Stiftungsrat im Einvernehmen mit Geschäftsführer Alexander Keil entschieden, die Zürcher Festspiele nach 2020 nicht fortzusetzen und die Zürcher Festspielstiftung aufzulösen. Das Volksfest der Künste konnte bei seiner Durchführung 2018 künstlerische Erfolge feiern. Eine Weiterführung der Festspiele mit einem starken, eigenständigen Profil und mit der aktuellen Qualität wäre aber über 2020 hinaus nur mit substanziellen zusätzlichen finanziellen Mitteln möglich. Eine solche langfristig tragfähige Finanzierung zu sichern, ist in den vergangenen Jahren trotz grosser Anstrengungen nicht gelungen.

Ursula Gut-Winterberger, seit 2016 Präsidentin der Zürcher Festspielstiftung, sagt zum Entscheid: «Es gehört zu den zentralen Aufgaben einer Stiftung, das eigene Tun kritisch zu hinterfragen.» Das Fazit des Stiftungsrats nach der von ihm initiierten Standortbestimmung sei aber klar: «In dieser Form sind die Festspiele nicht überlebensfähig.» Der Stiftungsrat ist laut Gut-Winterberger voller Anerkennung für die 100jährige Festspieltradition. Der Blick auf die wechselvolle Geschichte der Festspiele mache aber klar, dass man immer wieder um den Fortbestand habe kämpfen müssen. Gut-Winterberger weiter: «Das Beenden einer Tradition braucht Mut, und sie ist auch schmerzlich. Aber das gehört zu den Aufgaben von Entscheidungsträger*innen.»

Von der Bevölkerung gut aufgenommen

Die Festspiele haben eine Neuausrichtung hinter sich: Mit dem Ziel, die finanziellen Mittel zu konzentrieren, wechselten die Festspiele auf den Zweijahresrhythmus mit einer ersten Durchführung 2018. Inhaltlich haben die Festspiele erfolgreich auf grundlegende gesellschaftliche Veränderungen wie die Diversifizierung der Gesellschaft, das verstärkte Bedürfnis nach partizipativen Angeboten sowie die Notwendigkeit, die eigene Zukunft stärker aktiv und kreativ mitzugestalten, reagiert. «So entstand die neue Idee vom Volksfest der Künste, gemeinsam gefeiert von den klassischen Zürcher Kulturinstitutionen mit den Kultur-Communities auf dem Münsterhof als Festspielzentrum. Diese Neuausrichtung wurde von der breiten Bevölkerung sehr gut aufgenommen», bilanziert Geschäftsführer Alexander Keil. Zugleich sei aber die Bereitschaft von Sponsoren zu Investitionen in Kulturinstitutionen stark zurückgegangen. Dieser Umstand setze die Festspielstiftung wie auch die an den Festspielen beteiligten Veranstaltungspartner enorm unter Druck. «Die für die Programmgestaltung und Weiterentwicklung der Organisation notwendige Planungssicherheit ist nicht mehr gegeben», stellt Keil fest.

Dank von Kanton und Stadt Zürich

Regierungsrätin Jacqueline Fehr und Stadtpräsidentin Corine Mauch, beide Mitglieder des Stiftungsrats, danken dem Festspiele-Team um Alexander Keil sowie den weiteren Stiftungsratsmitgliedern, insbesondere der Präsidentin Ursula Gut-Winterberger, für ihr grosses und erfolgreiches Engagement. «Die Festspiele-Crew macht eine super Arbeit. Das Problem ist die Finanzierung», hält Regierungsrätin Fehr fest. Kanton und Stadt Zürich anerkennen insbesondere die wichtige Vernetzungsfunktion der Festspiele und ihren Einsatz für die Stärkung der kulturellen Teilhabe – etwa mit den Gratis-Veranstaltungen auf dem Münsterhof. Sie danken auch den teilnehmenden Institutionen und Kulturschaffenden, die die Festspiele in den vergangenen Jahrzehnten geprägt haben. Kanton und Stadt sehen den Verzicht auf die weitere Durchführung der Festspiele auch als Chance, neue kulturelle Initiativen zu etablieren. Im Moment steht aber noch die Vorfreude auf die letzten Festspiele im Vordergrund: «Die Festspiele 2020 sind auf gutem Weg. Thema und Beteiligte lassen viel erwarten. Ich freue mich sehr darauf», sagt Stadtpräsidentin Corine Mauch.

Danke Zürich

Ohne das Engagement der unzähligen Zürcher*innen als Sponsoren, Beteiligte und Publikum wären die Festspiele in den vergangenen Jahren unmöglich gewesen. Die vielfältigen Beiträge prägten den Kern der Festspiele. «Hier gilt es besonders, Kanton und Stadt Zürich zu verdanken, die mit ihren Beiträgen das Volksfest der Künste möglich gemacht haben», sagt Ursula Gut-Winterberger. Alexander Keil weiter: «Ein besonderer Dank gilt auch den Intendant*innen der vier Gründungsinstitutionen der Zürcher Festspielstiftung sowie darüber hinaus allen an den Festspielen beteiligten Künstler*innen sowie den Leiter*innen und Mitarbeiter*innen der beteiligten Zürcher Kulturinstitutionen, die mit ihren Koproduktionsbeiträgen die Idee der Festspiele wesentlich mitgestaltet haben.»