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Moullon
© Andrea Fischer

In eine magische Welt eintauchen

Familientag Festspielzentrum Münsterhof

Vera Urweider

Ein Märchen über Schönheit und Geschmackssachen, über das Besonderssein, das Essen und die Liebe. Am Familientag auf dem Münsterhof nehmen Theatermacher, Erzähler, Musikerinnen, ein Zauberer und ein Koch das junge Publikum mit auf eine magische Reise der besonderen Art.

Er ist nicht perfekt. Er ist sogar ziemlich blind und ziemlich hässlich. Doch er hat ein grosses Herz. Moullon ist die Hauptfigur des Märchens «Die süssesten Beeren der Welt» – eine Geschichte über Schein und Sein, über innere und äussere Schönheit und über den gedankenlosen Umgang mit Essen. Ähnlich wie Moullon, der eine lange Reise zurücklegt und immer wieder von den anderen Tieren ausgelacht wird, weil er anders ist, sollen die Kinder (mit oder ohne Eltern) am Familientag auf dem Münsterhof ein Abenteuer erleben. Es wird kein Theater selbst gezeigt, viel mehr werden die jungen Zuschauer von Station zu Station gehen und gemeinsam mit Theatermachern, Musikern, einem Zauberer oder einem Koch Moullons Abenteuer folgen. «Sie sollen vor allem in eine magische Welt eintauchen, vielleicht ihr Herz an das hässlichste Tier der Welt verlieren und einen kleinen Denkanstoss zu der Idee bekommen, dass das Äussere oft nicht mit dem Inneren übereinstimmt», sagt Andrea Fischer Schulthess, Autorin des Märchens und Mitorganisatorin des Familientages. Aber es sei ganz klar ein verspielter Theaternachmittag und keine Schulstunde, betont sie. Denn «wenn etwas für Kinder wahr und erlebbar wird, braucht es nicht noch einen pädagogischen Aufdruck.»

Die Sensibilisierung

Mit ihrem Mann Adrian Schulthess gründete sie vor knapp zehn Jahren das Minitheater Hannibal, das sich nun gemeinsam mit der Festspiel-Kuratorin Belén Montoliú für diesen Familientag verantwortlich zeigt. Für Montoliú ist dieser Nachmittag in vielerlei Hinsicht wertvoll. Da sind zunächst die beiden Festival-Themen Schönheit und Wahnsinn, welche wunderbar im Märchen aufgegriffen und wie-dergegeben werden: innere Schönheit als Akzeptanz nicht perfekter Erscheinungsbilder, Wahnsinn in Form von Verschwendung guter Nahrungsmittel. Das Wort Foodwaste werde allerdings so nie direkt aus-gesprochen, sagt Fischer Schulthess, die Kinder sollen durch das Erlebte sensibilisiert werden.

Als zweiten wichtigen Punkt dieses Nachmittages nennt Montoliú, selbst Mutter, noch etwas ganz anderes: «Ich will ein breites Publikum ansprechen. Ich will, dass ganze Familien an einem Kulturfestival teilnehmen können.» Deshalb sei dieser Nachmittag auch kostenlos.

Die Zwergenbackstube

Nachdem die Kinder mit Moullon durch verschiedene Märchenwelten wie die sieben Berge oder das Schlaraffenland gewandert sind, kommen sie schliesslich zur letzten Station, der Zwergenbackstube. Dort werden sie von Anti-Foodwaste-Pionier und Koch Mirko Buri empfangen, dem Spezialisten für Verwertung von Lebensmitteln mit einem optischen Makel. Gemeinsam werden Kuchen aus Früchten gebacken, die vielleicht auf den ersten Blick nicht mehr so schön aussehen, aber dennoch geniessbar sind. Buri will den Kindern aufzeigen, dass man beispielsweise aus schrumpeligen Äpfeln noch immer einen unglaublich guten Kuchen backen kann. Diesen dann gemeinsam mit den Eltern zu probieren und über das Erlebte zu diskutieren, ist ihm eine Herzensangelegenheit. «Denn», so sagt er, «es ist doch Wahnsinn, wie schön eine Frucht oder ein Gemüse sein muss, damit es verkauft wird!»


Veranstaltungshinweis

Familientag
Sonntag 17. Juni 2018
14 - 18 Uhr