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Die Fotoserie der Festspiele Kampagne findet Beachtung.
Die Fotoserie der Festspiele Kampagne findet Beachtung. © Festspiele Zürich

Ein Wiedersehen mit Venus, Nana und van Gogh

Die Kampagne der Festspiele an der photoSCHWEIZ19

Schönheit / Wahnsinn

Die fünf Figuren der letztjährigen Festspielkampagne betreten nochmals eine grosse Bühne: Die Bilderserie ist an der renommierten photoSCHWEIZ zu sehen. Vor genau einem Jahr haben Lisa und Remo Ubezio, ein Fotografenduo aus Bern, die fünf nun grossformatig vorliegenden Sujets in Zusammenarbeit mit dem Team der Festspiele entwickelt und fotografisch umgesetzt. Die Motive, insbesondere unser Key Visual, das Sandro Botticellis «Geburt der Venus» ins heutige Zürich holte, sorgte damals für hitzige Kontroversen.

Man spürt, wie sehr die die fünf Bilder und ihre Entstehungsgeschichte ihren Erzeugern Lisa und Remo Ubezio am Herzen liegen. Die Fotos haben nun ein Jahr in ihrem Atelier gehangen. Wenn sie vom Shooting erzählen, ist man mittendrin: Der überdurchschnittlich kalte Januartag, an dem das Bild von Körperkünstlerin Sandy in der Frauenbadi aufgenommen wurde. Das Fluten einer Vertiefung im Asphalt mittels Giesskanne, damit unser Narziss sich spiegeln konnte. Die vergebliche Suche nach einem geeigneten van Gogh Modell, worauf ein junger Mann mit rotem Bart vor den Fenstern ihrer Wohnung vorbei joggte. Eine kurze Verfolgungsjagd durch den Fotografen führte zum spontanen Engagements des Läufers.

Alle Motive nehmen ein bekanntes Werk aus der Kunstgeschichte auf und reinszenieren das Bild im Zürich von heute. Die Sujets beziehen sich jeweils auf einen thematischen Aspekt des letztjährigen Festivals: Zum Stichwort «Schönheitsideal» tanzt unsere Version von Niki de Saint Phalles Nana auf dem Dach des Bads im Hürlimann Areal. Ein moderner Narziss, der Michelangelo Merisi da Caravaggios ähnelt, spiegelt sich zum Thema der «Selbstoptimierung» in einer Pfütze in der Europaallee. Vincent van Goghs Doppelgänger gibt sich in der Brasserie Lipp dem «kreativen Wahnsinn» hin. Ein Nachfahre von Francisco de Goyas Schlafendem wird im Innenhof der UBS vom «pathologischen Wahnsinn» heimgesucht. In einem bekannten Zürcher Flussbad wurde Sandro Botticellis Venus wiedergeboren und regt zum Nachdenken über Zusammenhang und Widersprüchlichkeit von «Schönheit und Wahnsinn» an.

An der photoSCHWEIZ2019 freut sich ein sichtlich zufriedenes Festspiele-Team, die Fotos nochmals in Ruhe im Zusammenhang betrachten zu können. Die Kampagne hat zeitweise Kopfzerbrechen bereitet. «Die Kampagne löste damals eine Provokation aus, die wir in dieser Art überhaupt nicht beabsichtigt hatten», erklärt Geschäftsführer Alexander Keil. Was als eine vielschichtige Auseinandersetzung mit dem Thema gedacht war, sorgte bei einigen Festspiele-Fans für Empörung. Dass die Venus – wie im Original – unbekleidet ist, wurde als anstössig empfunden und entsprechend als unpassendes Aushängeschild für die Festspiele angesehen. Dass die Kampagne nun von professioneller Seite Anerkennung erfährt, freut uns umso mehr. Pierre de Senarclens, als Grafiker verantwortlich für den visuellen Auftritt der Festspiele, deutet verschmitzt lächelnd an, dass ihm bereits zahlreiche Ideen für die Kampagne 2020 im Kopf herumschwirren. Wir werden berichten!

«Schönheit / Wahnsinn»: Die Geburt der Venus (Sandro Botticelli, 1485/86)
«Schönheit / Wahnsinn»: Die Geburt der Venus (Sandro Botticelli, 1485/86)
«Schönheitsideal»: Nana (Niki de Saint Phalle, ab 1965)
«Schönheitsideal»: Nana (Niki de Saint Phalle, ab 1965)
«Selbstoptimierung»: Narziss (Michelangelo Merisi da Caravaggio,1598/99)
«Selbstoptimierung»: Narziss (Michelangelo Merisi da Caravaggio,1598/99)
«Kreativer Wahnsinn»: Selbstbildnis mit Pelzmütze und verbundenem Ohr (Vincent van Gogh, 1889)
«Kreativer Wahnsinn»: Selbstbildnis mit Pelzmütze und verbundenem Ohr (Vincent van Gogh, 1889)
«Pathologischer Wahnsinn»: Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer (Francisco de Goya, 1797–1799)
«Pathologischer Wahnsinn»: Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer (Francisco de Goya, 1797–1799)