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Rausch des Jetzt © Pierre de Senarclens, Lukas Koller
Rausch des Jetzt © Pierre de Senarclens, Lukas Koller

Die wilden 20er Jahre im Jetzt

Festspiele 2020

Gerade erst haben die «neuen 20er Jahre» begonnen. Die Festspiele Zürich präsentieren bereits das Programm zur Stunde. Im Juni 2020 findet die dreiwöchige Festival-Ausgabe unter dem Titel «Die 20er Jahre – Rausch des Jetzt» statt. Vom Festspielzentrum auf dem Münsterhof breitet sich das Lebensgefühl der spannungsgeladenen und widersprüchlichen «Roaring Twenties» in der ganzen Stadt aus. Die heutige Verkündigung des Gesamtprogramms zeigt, wie die Geschichte und das Jetzt zusammenhängen.

Unter dem Titel «Die 20er Jahre – Rausch des Jetzt» feiern die Festspiele im Sommer mit einem dichten Programm aus über 50 Veranstaltungen ein «Volksfest der Künste» mit über 1’000 Mitwirkenden. Das Programm entstand in Ko-Kreation mit über 30 Zürcher Kunstinstitutionen sowie fast 40 hiesigen Communities aus den Bereichen Theater, Musik, Tanz und Design (Mitwirkende). Epizentrum ist das Festspielzentrum auf dem Münsterhof mit dem von Bühnenbildnerin Prisca Baumann gestalteten silbern verspiegelten Zeppelin. Von hier breitet sich der Rausch in die gesamte Stadt aus.

Geschichte und Gegenwart – Die wilden 20er Jahre im Jetzt

Anlässlich der heutigen Gesamtprogrammverkündigung greifen Geschäftsführer Alexander Keil und Kuratorin Karolin Trachte die Verbindungslinien zwischen den «Roaring Twenties» und dem Jetzt auf: «Unsere neuen 20er Jahre, dieses mit Spannung erwartete Jahrzehnt, ist gerade erst angebrochen und die Festspiele liefern im Juni 2020 das Programm zur Stunde», stellt Karolin Trachte fest. Die bahnbrechenden technischen Innovationen und das Aufkommen neuer Medien führen zu einem beschleunigten Lebensgefühl. Die neue Mobilität lässt die Welt in einer Art Globalisierungsschub näher zusammenrücken. Die Demokratie steht mancherorts auf wackeligen Füssen. Mit diesen Themen sind bereits die wichtigsten Konstellationen benannt, die unser Hier und Jetzt charakterisieren, aber genauso Merkmale der vergangenen wilden 20er Jahre waren – und so die beiden Jahrzehnte deutlich miteinander in Verbindung treten lassen.

Highlights aus dem Festspielprogramm

Wie Geschichte und Gegenwart im Festspielprogramm zusammenhängen, zeigen einige ausge­wählte Highlights.

Bereits ab dem 24. April zeigt das Kunsthaus Zürich die Ausstellung «Schall und Rauch. Die wilden Zwanziger». Kuratorin Cathérine Hug gibt mit rund 300 Exponaten aus den Bereichen Bildende Kunst, Architektur und Film in allen damals bekannten Medien Malerei, Plastik, Zeichnung, Fotografie, Film und Collage einen Überblick über die berüchtigte Ära mit ihren Zentren Berlin und Paris und setzt wegweisende Werke aus den 1920er Jahren in den Kontext heutiger künstlerischer Arbeiten. Der Flüchtigkeit des Ausstellungstitels steht die Langzeitwirkung der Kunst dieses Jahrzehnts gegenüber.

Auftakt der Festspiele ist am Freitag, 5. Juni das rauschende Eröffnungsfest auf dem Münsterhof. Es beginnt mit einem kostenlosen Openair-Konzert für alle: Das Tonhalle-Orchester Zürich spielt unter der Leitung von Chefdirigent und Music Director Paavo Järvi Werke von Dmitri Schostakowitsch, Maurice Ravel und George Gershwin, dessen «An American in Paris» das Lebensgefühl der Roaring Twenties einfängt. Für Verführungsmomente sorgt Schostakowitschs Suite für Varieté-Orchester, und Ravels «Boléro» versetzt das Publikum in Trance. Die Werkauswahl lässt ahnen, wie nah sich die heute sogenannt seriöse und die unterhaltsame Musik im 20. Jahrhundert standen. Special Guest: Ballett Zürich.

Ein Pop-up Ball besetzt ab Samstag, 6. Juni, 12 Uhr für 24 Stunden den Münsterhof und lädt die Stadt dazu ein, sich der tänzerischen Ekstase hinzugeben: Vom Swing der 1920er Jahre über Tango und Urban bis hin zur Praxen der aktuellen Club- und Tanzkultur. Gemeinsam mit über 100 Tänzer*innen der hiesigen Tanzcommunities kann man bis zum nächsten Mittag durchtanzen. Für diesen Event spannen die Festspiele mit ZÜRICH TANZT und Tanzhaus Zürich zusammen.

Am Samstag, 13. Juni bringen die Festspiele gemeinsam mit dem Jungen Literaturlabor JuLL und dem Radio LoRa auf dem Münsterhof die Funkoper, ein Live-Hörspiel-Radioformat der 1920er Jahre, zur Ursendung. Der Plot: In einer grossen Zeitreise begegnen sich Jugendliche der damaligen und heutigen 20er Jahre und kommen dem Geheimnis des Münsterhofs auf die Spur. Erzählt und aufgeführt wird die Geschichte von professionellen Theater- und Musikschaffenden gemeinsam mit jungen Menschen der Sekundarschule Feld, der Musikschule Konservatorium Zürich, des Kinder- und Jugendtheaters Metzenthin und der U17-Fussballerinnen des Grasshopper-Clubs.

Regisseur Christopher Rüping zeigt seine Regiearbeit «It Can’t Happen Here» als Gastspiel des Deutschen Theaters Berlin im Schauspielhaus Zürich am 13. und 14. Juni. Sinclair Lewis’ hoch aktueller satirischer Zwischenkriegsroman zeigt die brandgefährliche Konstellation aus Politik, Medien und Wirtschaftskrise in den ausgehenden 1920er Jahren – die Inszenierung setzt den Stoff in den Kontext heutiger Entwicklungen.

Den Höhepunkt bildet am 25., 26. und 27. Juni die Festspielpreis-Produktion der Regisseurin Antje Schupp mit dem Titel «Revue 2020 – Zurück ist die Zukunft» auf dem Münsterhof. In der Koproduktion von Festspielen, Opernhaus Zürich und Schauspielhaus Zürich nimmt die diesjährige Festspiel­preis­trägerin das Motto der Festspiele zum Anlass, um in Zeiten der Ressourcenknappheit einen kritisch-unterhaltsamen Abgesang auf den Hedonismus anzustimmen – auf höchstem Niveau: mit Gästen und Mitgliedern des Opernhaus Zürich – und der neuen Ära der Kollektivität den Weg zu bereiten.

Zu diesen und fast 50 weiteren Veranstaltungen finden sich ab sofort ausführliche Informationen im Programmmagazin sowie online im Spielplan. Unter dem Titel «Die 20er Jahre – Rausch des Jetzt» stehen Ausstellungen neben experimentellen Tanzformaten, hochkarätige Konzerte neben offenen Formaten zum Mitmachen, Theaterabende neben Tanznächten, Familienprogramm neben Symposien. Das ist die Vielfalt der Festspiele! Wir freuen uns auf Sie!