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Die schönen Seiten des wirtschaftlichen Wahnsinns

Die schönen Seiten des wirtschaftlichen Wahnsinns.

Andreas Staubli, CEO PwC Schweiz ab 1. Juli 2018

Betrachten wir den aktuellen wirtschaftlichen Wandel – in vielen Bereichen mit der Revolution 4.0 gleichzusetzen – so ist Wahnsinn wohl eine durchaus korrekte Bezeichnung. Im Zuge von Automatisierung, künstlicher Intelligenz oder Informationsökosystemen hat die Geschwindigkeit der Wirtschaftswelt eine vierte Dimension erreicht. Später gibt’s nicht, es gilt nur noch das Sofort. Vieles geschieht gleichzeitig, auf mehreren Kanälen, in Sekundenschnelle, mit algorithmischer Hochpräzision und digitalem Superbrain. Der Fortschritt ist sich selber immer einen Schritt voraus. Für den modernen Unternehmer gilt es nicht mehr, am Anfang zu Ende zu denken. Denn das Prinzip der digitalen Innovation lautet: launch fast, fail fast, learn fast.

Dieses Tempo setzt viele Wirtschaftszweige unter Druck. Neue Marktakteure weisen zweistellige Wachstumsraten auf und treiben ihre konventionellen Pendants buchstäblich zum Wahnsinn. Während die einen über Wege einer besseren Kundenorientierung nachdenken, krempeln die anderen mit neuartigen Geschäftsmodellen die ganze Branche um. In Industrien wie Tourismus, Bekleidung oder Kreditwesen hat der Kunde nicht nur die Krone wieder auf, sondern hält das Zepter fest in der Hand und regiert mit seinen Feedbacks höchstpersönlich über die Verteilung der Marktmächte.

Mit dieser Ekstase einher gehen gehobene Ansprüche an Fähigkeiten und Charaktereigenschaften der arbeitenden Spezies. Herkömmliche Berufe müssen digitale Werkzeuge und Prozesse etablieren. «Digitalize or die!», so die ökonomische Überlebensdevise mancher Berufssparte.

Was soll daran schön sein? Ganz schön viel. Denn Goethe hatte mit seinem Bonmot schon damals recht – heute hätte er es bestimmt getwittert: «Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.» Oder noch besser: Man erfindet kurzum eine clevere Maschine, die die Steine eigenständig aus dem Weg räumt.

Das hat der Mensch schon lange erkannt und entsprechend gehandelt. Darum weist der Wahnsinn der Veränderung zahlreiche schöne und äusserst menschenfreundliche Seiten auf. Dank intelligenter Tools und erfahrener Digitalexperten wie derjenigen des PwC’s Experience Center stehen heute schnelle und gezielte Analyseverfahren, IT-Konzepte und Anwendungen zur Verfügung. Diese führen unbezahlbare Verbesserungen herbei: In gewissen medizinischen Fachgebieten werden genauere Diagnosen und damit erfolgversprechendere Behandlungen der Patienten möglich. In der Wirtschaftsprüfung können die Unternehmen dank digital unterstützter Prüfverfahren ihren Stakeholdern zusätzlich zu den üblichen Key Performance Indicators nachhaltige Kennzahlen wie Kundenzufriedenheit oder Zahlungsgewohnheiten liefern. Oder die Corporate Compliance lässt sich mit datenbasierten Cockpitfunktionen transparenter und risikooptimierter erfüllen.

Mensch oder Maschine? Die Frage ist falsch. Automatisierung und Robotisierung führen nicht zu einer Substitution des Menschen als Arbeitskraft, sondern erleichtern ihm die Tätigkeit. Ungesunde, langweilige oder repetitive Aufgaben übernehmen selbstlernende Cobots, die mit dem Menschen Hand in Hand arbeiten. Die künstliche Intelligenz lässt neuartige Formen der Selbstverwirklichung entstehen und macht Jobs kreativer, also spannender. Der Akkordarbeiter wird zum Prozessoptimierer, der Verkäufer zum Lebensberater, der Buchhalter zum Datenagenten, der Wirtschaftsprüfer zum Auditor 4.0. Die Arbeitswelt flexibilisiert sich, es entstehen neue Formen der Zusammenarbeit, austarierte Work-Life-Balances und mobile Arbeitsnomaden mit einem zweiten Zuhause. Damit gewinnt der Mensch Zeit für die schönen Dinge im Leben. Wie auch immer er diese verwertet.

Die digitale Grenzenlosigkeit zeigt den Unternehmen ihre eigenen Grenzen auf. Sie zwingt sie zur digitalen Transformation. Das ist anstrengend. Doch der Wandel fördert ebenso Mut, Selbstkritik, Investitionswille und einen langen Atem. So gehen aus dem Wahnsinn der Wirtschaft Kreativität, Innovationsgeist und Tatkraft hervor. Das ist schön – und wahnsinnig wertvoll.

PS: PwC tritt seit 2005 als Sponsor der Festspiele Zürich auf. Über die Jahre ist daraus eine echte Wirtschaftspartnerschaft mit wertschöpfenden Synergien für beide Parteien entstanden. Auch das gehört zu den schönen Seiten der Wirtschaft.