zurück
Die Digitalisierung verändert unsere Kultur.
Die Digitalisierung verändert unsere Kultur.

Das «co» im Herzen der Festspiele

Alexander Keil

Die Digitalisierung transformiert derzeit alle Lebensbereiche. Sie hat nicht nur technische Innovationen hervorgebracht, sondern auch eine eigene Kultur der co-creation. Praktisch jede*r hat nun die Produktionsmittel an der Hand, um gemeinschaftlich kreativ zu werden, sei es in Form von Podcasts, Blogs, Social Media Beiträgen oder Videos. Die Festspiele erklären in diesem Beitrag, wie sie unter dem Stichwort «Volksfest der Künste» seit vier Jahren das «co» ins Zentrum ihrer Arbeit stellen und warum sie das für wichtig erachten.

Die Digitalisierung verändert unsere Kultur

Der Treiber für den derzeitigen enormen Wandel in allen gesellschaftlichen Bereichen ist die Digitalisierung. Sie basiert auf einer Reihe von kreativen Erfindungen, die in technische Innovationen mündeten, wie z.B. das Internet, Smartphones oder andere elektronische Gadgets. Zugleich hat die Digitalisierung selbst eine eigene Art von Kultur hervorgebracht. Was bedeutet das? Das Internet stellt uns eine unüberblickbare Menge an Informationen jederzeit und an jedem Ort zur Verfügung. Für uns ist es mittlerweile normal, dass Informationen und Dienstleistungen permanent verfügbar, intuitiv erfassbar, nutzerfreundlich aufbereitet und barrierefrei zugänglich sind. Smartphone und Apps wiederum stellen heute zu sehr geringen Preisen Produktionsmittel zur Verfügung, ermöglichen ortsunabhängiges Zusammenarbeiten in den unterschiedlichsten Bereichen und schnelles Generieren von Inhalten. Entstanden ist eine Kultur von permanenter Verfügbarkeit, co-creation und partizipativer Projekt- und Produktentwicklung, die seit einigen Jahren auch den vorherigen Gegensatz zwischen Produzierenden und Konsumierenden infrage stellt.

Festspiele als Volksfest der Künste

Die Festspiele nehmen diese kulturellen Entwicklungen unter dem Stichwort «Volksfest der Künste» auf und stellen seit gut 4 Jahren das «co» ins Zentrum ihres Arbeitens. «Co» stammt vom englischen Begriff co-creation, vom gemeinsamen Kreieren und Gestalten. Auf Deutsch würde man sagen: Gemeinsam denken, erfinden. Entscheidend ist also nicht eine einzige künstlerische Handschrift, die alles prägt, sondern das Wissen und die Erfahrung mehrerer.

Ob als Zuschauer*in oder Mitgestalter*in auf oder hinter der Bühne, es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich mit seinem Wissen und seinen Erfahrungen einzubringen und so seinen Teil der Festspiele mitzuprägen und zu gestalten. Unter dem Titel «Plattform Festspiele» laden die Festspiele Zürichs (Kultur-)Expert*innen und Interessierte zum Wissensaustausch ein. Im Fanclub der Festspiele, dem Club der Festivist*innen, diskutieren die Mitglieder mit den Festivalmacher*innen über Themen für die nächste Festivaledition, Veranstaltungsformate oder die logistische Gestaltung des Festspielzentrums auf dem Münsterhofs. Als Held*innen engagieren sich die Freiwilligen mit ihrem Wissen bei den Festspielen z.B. in der Administration, bei der Programmvermittlung auf dem Münsterhof oder während der grossen Gratisveranstaltungen bei der Information der Besuchenden.

Zürcher Kultur-Communities als Mitgestalter*innen des Festivals

Eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung des co-creation-Ansatzes spielen die Zürcher Kultur-Communities. Das sind Gruppierungen, Vereine, Initiativen und Projekte, die professionell oder semiprofessionell künstlerischen oder im weiteren Sinne kulturellen Aktivitäten nachgehen. Hierzu gehören einerseits die in Zürich bekannten und etablierten Kunstinstitutionen wie das Schauspielhaus, das Kunsthaus oder das Tanzhaus. Hierzu gehören aber auch Zürcher Chöre, Theatergruppen, Tanzformationen, Orchester, ein Frauen-Fussball-Club oder die Schweizerische Textilfachschule. Sie alle gestalten auf den unterschiedlichen Bühnen der Festspiele, vom Münsterhof bis zur Plattform in der Josefstrasse, mit ihrem Wissen und ihrer Kreativität die Festspiele.

Festspiele gestalten ein Stück weit unser Zusammenleben mit

Die Festspiele übernehmen auf diese Weise Verantwortung für unser Zusammenleben in Zürich. Die Stadt ist voll von kreativen Köpfen in allen Bereichen. Die Idee ist es, diese kreativen Menschen zusammen zu bringen und ihnen eine Plattform zu bieten, von der aus sie neue Realitäten schaffen. Sei es in Form von konkreten Festspielprojekten, im Rahmen von Quartierinitiativen oder einzelnen Events jenseits der Festspiele. So gehören die Festspiele für zahlreiche Mitglieder der mit dem Festival assoziierten Communities mittlerweile ein Stück weit zu ihrem Alltag.

Foto: Daniel Frei