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Senior Lab
© Paola Seiler

Alter schützt vor Schönheit nicht

Jakob Schmid, Miller’s Senior Lab

Auf der Bühne fallen die Masken des verordneten Schönseins. Dadurch öffnet sich ein Fluchtweg aus dem Wahn der Jugendlichkeit, der mitten hinein in die pralle Schönheit des Alters führt.

Der Wunsch, schön zu sein, entsteht früh. Jungsein heisst am Leben sein. Altsein riecht nach Sterben und ist eine Strafe. Ergo tun wir alles, um bloss nicht zu den Alten zu gehören. Diesen Wahnsinn finden wir überall, auf dem Beipackzettel der Anti-Aging-Creme ebenso wie im Hochglanzprospekt der Schönheitsklinik und der Ersatzteilchirurgie. Alle wollen wir schön sein, immer und ewig nur schön sein! Und das zu Recht: Ansonsten verschwinden wir gänzlich hinter der Altersvorstellung der anderen und die billigen uns allenfalls innere Anmut zu, gepaart mit etwas Weisheit oder auch nicht. Alte haben also ein existenzielles Bedürfnis, nach der Schönheit im Alter zu forschen.

Auf zur Gratwanderung!

Wir fragen uns, was mit unseren alternden Körpern ist, schauen uns die Hülle an, die vor unseren schwächelnden Augen täglich ein bisschen mehr versteift, verrunzelt und verfällt. Da kommt uns die Bühne grad recht, der zauberhafte Ort, an dem die Bilder und Schablonen eines gesellschaftlich verordneten Alterns wie Masken abgelegt werden können. Diesen Fluchtweg aus dem Wahn der Jugendlichkeit wagen wir. Das geht nicht ohne Scham und Schrammen. Doch mit den Mitteln des Chores, des Schauspiels und des Tanzes demontieren wir gesellschaftliche Zwänge, die uns begrenzen. Was jetzt hervortreten kann, ist die Manifestation eines höchstpersönlichen Alterns, das hoffnungsvoll und schmerzhaft zugleich ist.


Veranstaltungshinweis

schön schön schön!
Di 5. | Do 7. | Fr 8. | Do 14. | Fr 15. | Sa 16. | So 17. Juni
Miller’s